Die Leporellokunst von Warja Lavater

Warja-LavaterIm Rahmen einer „Soirée Bibliomanie“ wurde gestern in den Räumen der Buchbinderei Mergemeier die Kunst der Schweizer Grafikerin und Illustratorin Warja Lavater präsentiert. Mich haben nicht nur ihr wohlklingender Name, sondern vor allem die während des Abends mit viel Liebe präsentierten Leporellos der Künstlerin inspiriert.

Warja Lavater wurde 1913 in Winterthur geboren und verbrachte die ersten Jahre ihres Lebens in Moskau und Athen. Später wurde sie an der Kunstgewerbeschule Zürich als Grafikerin ausgebildet, heiratete den Künstler Gottfried Honegger und ist heute besonders für ihre Künstlerbücher und Leporellos bekannt.

Während eines zweijährigen Aufenthaltes in New York entwickelte sie ihre von Piktogrammen geprägte Zeichensprache, mithilfe derer sie bekannte Märchen und Sagen nacherzählt. Wie beispielsweise die Geschichte von Wilhelm Tell (ihr erstes Leporello, welches 1962 vom Museum of Modern Art herausgegeben wurde), Hans im Glück, Schneewittchen oder Rotkäppchen. „Le petit chaperon rouge“ wird dabei schlicht durch einen roten Kreis symbolisiert, der Wolf durch einen schwarzen Kreis, viele kleine grüne Kreise stellen den Wald dar und das Haus der Großmutter ist ein oranges Rechteck.

Davon, dass es Lavater gelingt, mit diesen einfachen Symbolen eine hinreissende, mitunter witzige und im wahrsten Sinne des Wortes wunderschöne Geschichte zu erzählen, konnten sich die Besucher der gestrigen Soirée überzeugen. Nicht immer ist hierfür Text notwendig, doch wenn dann ist der bei Warja Lavater meist vielsprachig: sie schreibt ihre Geschichten auf Französisch, Deutsch, Italienisch etc. – oder in mehreren Sprachen gleichzeitig.

Die Leporellos von Warja Lavater sind heute hauptsächlich antiquarisch erhältlich. Wer – wie es naheliegt – ihr farbenfrohes Bildwerk zur Literatur- und Kunstvermittlung einsetzen möchte, den dürfte der Band Die Bildwelten der Warja Lavater in der Reihe Bilder erzählen Geschichten – Geschichten erzählen zu Bildern interessieren.

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