Coup de Coeur

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Appendix Dick, Tommi Brem
Topalian & Milani, 2016
erhältlich bei Kohlibri. Buch- und Medienversand

Es gibt Bücher, über die man schreiben sollte. Es gibt Bücher, über die man schreiben möchte. Und es gibt Bücher, bei denen die Finger anfangen zu kribbeln und der Puls steigt, wenn man daran denkt, sie zu besprechen. Dass Appendix Dick eines dieser Bücher werden sollte, konnte ich erahnen, als ich die Beschreibung auf den Seiten des Verlags Topalian & Milani las.
Was ich heute vorstellen möchte, ist ein irres Buchkonzept von einem irre fleißigen Autor, aufwendig und schön umgesetzt von einem jungen, engagierten Verlag.

Wie vielen Menschen „begegnen“ wir eigentlich, wenn wir Bücher lesen?

So lautet die Frage, die am Beginn eines Projekts steht, mit dem sich Tommi Brem eine Heidenarbeit eingebrockt hat. Der Autor veröffentlicht mit Appendix Dick eine Namensliste all jener fiktiven Personen, die in den Werken des amerikanischen Autors Philipp K. Dick auftauchen oder erwähnt werden. Das sind: über 3.000 Namen aus Kurzgeschichten und Romanen. Eine Hommage an all die Protagonisten, die auf gedrucktem Papier zwar ihren Platz gefunden haben und vom Leser zum Teil doch nur sehr flüchtig wahrgenommen werden – oder sofort wieder vergessen.

Zu dieser inhaltlichen Idee gesellt sich eine liebevolle Buchgestaltung, für die Autor und Verleger weder Kosten noch Mühen gescheut haben: für nur 25 Euro erhält der Leser eines von hundert vom Autor signierten, nummerierten und handkolorierten Exemplaren. Der Schutzumschlag (auf meinen Bildern leider nicht zu sehen) ist im Siebdruckverfahren hergestellt, wobei von jeder Farbe nur ca. 10 Exemplare existieren. In vielerlei Hinsicht hält der Käufer mit seiner Ausgabe von Appendix Dick ein echtes Unikat in den Händen!

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Dem Namensverzeichnis sind handkolorierte Illustrationen zur Seite gestellt. Kein Buchexemplar gleicht dabei dem anderen, jedes hat seinen ganz eigenen „Farbcode“.

Haben Autor und Verlag bei diesem Buch also alles richtig gemacht? Nein. Dass es sich bei Appendix Dick nicht um eine perfekte wissenschaftliche Arbeit handelt, dass womöglich sogar der eine oder andere Name im Index fehlt, das erklärt der Autor schon in der lesenswerten Einführung. Mit einer charmanten Begründung: Der Editor dieser Liste ist auch nur ein Mensch.

Und – das sei bei all dem Lob gesagt – auch buchgestalterisch ist das Buch keineswegs makellos: der Schwarz-Weiß-Druck weist unsaubere Grautöne und Flecken auf und beim Beschneiden des Vorderschnitts wurden einige Jahreszahlen des Indexes „geköpft“.

Und dennoch: mit seinem Charme, seiner Originalität, seiner Zweisprachigkeit (engl. / dt.) und seiner aufwendigen Gestaltung ist Appendix Dick schon jetzt mein Coup de Coeur des Buchjahres 2016. Allen, die tiefer in das Universum von Tommi Brem eindringen möchten oder an Veranstaltungen und Originalzeichnungen zum Buch interessiert sind, lege ich außerdem die offizielle Webseite zu Appendix Dick ans Herz.

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